9. Insel Figarola
Hallo Michael und Froind. Morgen gemma gefahren Bot.
Es stand auf einem Zettel, der wiederum auf unserem Küchen-Karten-Kuhhandel-Tisch lag, als wir abends vom Strand kamen. Was der Zettel zu bedeuteten hatte war uns klar, weil nämlich Corado uns schon bei unserer Ankunft in Rovinj gesagt hatte, daß er mit uns einen Ausflug machen würde, wenn wir Lust hätten - Na klar hatten wir Lust!

Am nächsten Morgen wurden dann die Autos vollgepackt mit den Dingen, die wir für ein Picknick benötigten, und dann ging es hinter Corado her durch die engen Gassen der Altstadt. Daß Corado »von Haus aus« italienischer Herkunft ist, merkte man spätestens an seinem Fahrstil: Hupen, Lenken, Winken - das alles machte er mit links. Letzteres sogar wörtlich, indem er nämlich die Hand an die Scheibe des Autos klatschte und im Vorbeifahren hinter den Leuten auf der Straße herguckte. Mir als Fahrer kam es vor, als ob die Gassen Rovinjs immer enger wurden, aber schließlich kamen wir dann doch unversehrt am Elternhaus von Corado an, wo das Boot lag, mit dem wir nun fahren sollten.
Der Außenbordmotor hatte gerade mal 4 PS, brachte uns aber samt Boot zur Insel Figarola, wo wir grillen wollten. Fisch gab’s, wenn auch nicht selbst gefangen, aber laut Michael und Guido der beste, den die beiden jemals gegessen hatten. Jens und ich hielten uns in der Hinsicht dankbar zurück, da wir beide keinen Fisch mochten. Aber daran hatte Corado gedacht und uns ein paar Stücke Fleisch reserviert. Also kamen wir nicht drum herum, Tier essen zu müssen - was uns ja normalerweise nichts ausmacht, wenn es zwischen zwei Weißbrotscheiben oder neben einer Portion Reis mit Currysoße liegt. In diesem Fall gab’s das Fleisch jedoch pur, und wir fühlten uns wie zwei Nomaden, die ein Rind erlegt hatten. Da half nur, ordentlich Tomatensalat auf den Teller zu häufen.

Als wir später wieder aufbrachen fuhren wir nicht auf direktem Weg zurück zu Corados Elternhaus in der Altstadt, sondern machten noch einen großen Schlenker bis zum Hafen. Es war sehr interessant, Rovinj mal von der anderen Seite - nämlich vom Wasser aus - anzugucken, und Guido machte Unmengen von Fotos.
-Dirk








