10. Bootstour

Völlig begeistert von dem Ausflug mit Corado beschlossen Michael und ich, auf jeden Fall noch ein Motorboot leihen zu müssen. Erst waren wir vom Preis noch etwas abgeschreckt, aber am vorletzten Tag mußte es dann einfach sein. Warum Dirk und Jens nicht mitwollten, ist nicht sicher... Wahrscheinlich war es einfach der Respekt vor den gewaltigen Wellen, die an diesem Tag zum ersten Mal in diesem Urlaub an den Strand rollten.

Bootstour in Rovinj/Kroatien

Michael und ich kannten keine Furcht (oder unterschätzten die Situation), und so warfen wir den 4-PS-Außenborder an und schipperten los. Erst ging es Richtung Villas Rubin, einer touristischen Bungalowsiedlung mit angeschlossenem Campingplatz, die Michael uns mit den schlimmsten Bildern als die Hölle auf Erden ausgemalt hatte. Sah eigentlich ganz nett aus. Weiter führte uns das Boot (der Seegang war für Landratten ganz ordentlich) zu den kleinen Inseln, die dem Badestrand vorgelagert sind. Auf der letzten von ihnen stehen die Reste eines Klosters. Leider liegt die Bucht, an der man anlegen kann, zur Seeseite hin, und da waren die Wellen so hoch, daß an ein Weiterfahren nicht zu denken war. Also versuchten wir es von der anderen Seite, was auch halbwegs erfolgreich war (abgesehen davon, daß Michael bis zum Hals im Wasser stand und das Boot festhielt). Jetzt sollte es zur Altstadt gehen. Der Weg dahin führte am Badestrand vorbei, wo Dirk und Jens die Seefahrer im Wasser begrüßten.

Problems with the motor?

- Bootsverleiher

Soweit der angenehme Teil der Reise. Was darauf folgte, kann nur noch als Katastrophe bezeichnet werden. Im Hafenbereich der Innenstadt angekommen, mußten wir natürlich Beweisfotos mit der herrlichen »Skyline« von Rovinj im Hintergrund aufnehmen. Also Motor aus, das Boot in Position bringen und den Selbstauslöser scharfmachen. Die Ergebnisse können sich auch sehen lassen, aber es ist gut, daß diese Fotos nicht fünf Minuten später entstanden sind! Dann hätte man nämlich zwei Hobbykapitäne dabei erleben können, wie sie versuchen, den Motor wieder anzuwerfen. Danach, wie sie versuchen, den gerissenen Benzinschlauch mit einem T-Shirt zu flicken. Danach, wie sie versuchen, gegen eine starke Strömung aus der Fahrrinne eines gigantischen Schiffes herauszurudern! Und schließlich, wie ein netter Kroate sie zum nächsten Bootsverleih abschleppt. Die Moral von der Geschichte: Immer ein Taschenmesser dabeihaben. Damit hat nämlich der nette Mensch vom Bootsverleih das ganze Problem innerhalb einer Minute gelöst.

Also machten wir uns auf den Weg, das Boot zurückzubringen, wozu es mittlerweile höchste Zeit wurde. Wir hatten für vier Stunden gemietet, und uns blieb noch eine Viertelstunde für den Rückweg. Pünktlich kamen wir an unserem Bootsverleih an. Das Anlegen machte aufgrund des Wellenganges schon erhebliche Schwierigkeiten, und als der Vermieter unsere völlig mit Öl und Benzin verschmierten T-Shirts sah, fragte er »Problems with the motor?«. Ein klares »Nein!« war die Antwort, und niemand kann sich vorstellen, wie froh ich war, als ich meinen als Pfand hinterlegten Personalausweis wieder in den Händen hatte.

-Guido

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